Sind wir irgendwann alle Global Citizens

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Nina Brandt

Nina Brandt arbeitet bei den Vereinten Nationen in New York. Obwohl die gebürtige Heidelbergerin für eine Weltorganisation tätig ist, kann sie gar nicht so genau definieren, was eine Weltbürgerin auszeichnet. Vielleicht sind dafür aber auch keine großen Erklärungen nötig, sondern Momente wie jener, als ihre einjährige Tochter unbedingt mit Stäbchen essen wollte, weil die befreundeten Nachbarn aus Korea das auch so tun.

Was glauben Sie: Wird sich die Frage nach der nationalen Herkunft in Zukunft erübrigen, weil wir uns als Global Citizens verstehen?

Nina Brandt:Da müssten wir erst einmal klären, was es überhaupt bedeutet, ein Global Citizen zu sein. Für mich hat das weniger mit nationaler Identität zu tun oder damit, wie oft man in andere Länder gereist ist. Es geht dabei vielmehr um die Frage, welche Werte wir in uns tragen. Wie Empathie, eine tiefe, wertschätzende Verbundenheit mit anderen Menschen und ein Gefühl von Verantwortung, das über die Familie und Freunde hinausgeht. Wir sind dann Weltbürger, wenn wir bereit sind, über Staatsgrenzen hinaus Verantwortung für diesen Planeten zu tragen, auf dem wir gemeinsam leben und den wir gemeinsam nutzen.

In Europa kippen Parteien nach rechts, nationaler Chauvinismus erstarkt weltweit. Der Weg zum Global Citizen, wie Sie ihn definieren, scheint nicht einfach zu sein.

Ja. Es sieht tatsächlich so aus, als würden gerade in der globalisierten Welt Ländergrenzen wieder wichtig und Menschen aufgrund ihrer Herkunft verurteilt. Es ist traurig, dass diese Art der Abgrenzung gegenüber dem Fremden so stark ist. Aber ich glaube, dass die junge Generation das anders sieht und sich eher als Teil eines Ganzen versteht.

Sie kommen ursprünglich aus Baden-Württemberg, haben in England, Frankreich und Spanien gelebt. Seit mehr als 14 Jahren sind Sie jetzt in New York. Würden Sie sich als Global Citizen bezeichnen?

Ja, das würde ich gerne. Ich liebe die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Menschen in New York. Und ich begegne hier Werten, die mir wichtig sind. Offenheit, Toleranz gehören dazu, und dass Diversität das Normalste der Welt ist.

Wie prägt Ihr Job Ihren Blick auf die Welt?

Ich glaube, so richtig würde ich den Einfluss erst merken, wenn ich zu einer anderen Institution wechseln würde. Es ist für mich selbstverständlich, dass Menschen anders denken und arbeiten, und gerade das bereichert die Arbeit. Wenn man unterschiedliche Interessen auf einen gemeinsamen Nenner bringen möchte, dann muss man auch Kompromisse eingehen. Ich habe in meiner Zeit bei der UN gelernt, zuzuhören, mich zurückzunehmen und auf einen Dialog einzulassen, ohne gleich mit meiner Agenda vorpreschen zu wollen.

         Wir sind dann Weltbürger, wenn wir bereit sind, über Staatsgrenzen hinaus Verantwortung für diesen Planeten zu tragen.                  Wir sind dann Weltbürger, wenn wir bereit sind, über Staatsgrenzen hinaus Verantwortung für diesen Planeten zu tragen.                  Wir sind dann Weltbürger, wenn wir bereit sind, über Staatsgrenzen hinaus Verantwortung für diesen Planeten zu tragen.                  Wir sind dann Weltbürger, wenn wir bereit sind, über Staatsgrenzen hinaus Verantwortung für diesen Planeten zu tragen.         

Haben Sie sich also von den Prägungen Ihrer Herkunft befreit? Oder sind Sie Ihnen nähergekommen?

Beides. Ich habe in der Ferne einige vermeintlich deutsche Eigenschaften schätzen gelernt, zum Beispiel Sinn für Logik, Pragmatismus oder Zuverlässigkeit, aber auch Denkweisen hinzugewonnen. Ich fühle mich wohl in einer Kultur, in der man Erfolge feiert und anderen Menschen gegenüber erst mal interessiert und offen ist. Deswegen habe ich mich damals, als ich 23 war, nach einem Umfeld gesehnt, in dem ich mich kreativ ausleben kann, in dem Unternehmergeist, Vielseitigkeit und Ausprobieren geschätzt wird. Genau das habe ich hier gefunden.

Wie könnten wir den Weltbürger fördern?

Ich denke, es ist wichtig, von klein auf Begegnungen mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zu unterstützen. Mein Partner und ich überlegen manchmal, in einen Vorort von New York zu ziehen. Wir möchten aber, dass unsere Kinder mit Kindern aus unterschiedlichen sozialen und kulturellen Milieus aufwachsen. Dort, wo wir wohnen, leben Menschen aus aller Welt. Unsere Nachbarn sind aus China, Italien, Korea, von den Philippinen. Meine Tochter wollte schon als Einjährige mit Stäbchen essen. Wir wünschen uns, dass sich unsere Kinder an der Unterschiedlichkeit von Menschen freuen und ihre Gemeinsamkeiten feiern. Wenn wir mehr in Berührung mit anderen kommen, ist das ein Gewinn für alle.

Interview:Anette Frisch

Nina Brandt

arbeitet seit 2006 bei den Vereinten Nationen, derzeit im Department of Economic and Social Affairs (UNDESA). UNDESA unterstützt Länder dabei, die globalen Richtlinien der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung auf nationaler Ebene umzusetzen. 2003 war die heute 40-Jährige Stipendiatin des Baden-Württemberg-STIPENDIUMs, mit dem die Stiftung seit 2001 den internationalen Austausch Studierender fördert.

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