War’s das mit Europa

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Kira Marie Peter‑Hansen

Kira Marie Peter‑Hansen ist 2019 mit gerade mal 21 Jahren ins EU-Parlament gewählt worden. Damit ist sie die jüngste EU-Abgeordnete, die es jemals gab. Wie sie die Debatten in Brüssel und Straßburg erlebt und die Zukunft Europas sieht – das erklärt die Dänin im Interview.

Als jüngste EU-Abgeordnete sind Sie nun ein halbes Jahr im Amt. Was sagen Sie zur Debattenkultur im Parlament?

Kira Marie Peter‑Hansen:Sie hat mich positiv überrascht. Ich hatte mir vorgestellt, dass die Debatten ähnlich ablaufen wie im dänischen Parlament. Da stehen die Abgeordneten in ihren Ecken und schreien sich gegenseitig an. Natürlich gehen sie irgendwann Kompromisse ein. Aber bis es so weit ist, haben Kämpfe stattgefunden. Im Europaparlament ist das anders. Hier gelingt die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen politischen Parteien besser. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass die Parlamentarier weniger im Fokus der Medien stehen. Das macht die Verhandlungen einfacher.

Sie haben Ihre Arbeit in einer politisch turbulenten Zeit begonnen: Brexit, Klimakrise, Rechtsruck in der Gesellschaft. Wie betrachten Sie die Entwicklung?

Ich sehe, dass die EU und Europa im Allgemeinen auf zwei Arten aufgeteilt sind. Da sind diejenigen, die sich für Europa, offene Grenzen und Globalisierung aussprechen, und diejenigen, die gegen Einwanderung sind. Viele Bürgerinnen und Bürger haben sich durch die Mitgliedschaft in der EU Wohlstand versprochen. Und obwohl die Länder reicher geworden sind, ist die soziale und wirtschaftliche Ungleichheit in der Bevölkerung gestiegen. Das ist ein Widerspruch. Und das frustriert die Menschen.

Können Sie die Reaktion verstehen?

Ja. Ich habe ein gutes Beispiel. Vor zwei Jahren wurde in einem kleinen Ort im Norden Dänemarks ein Gesundheitszentrum geschlossen und eine Flüchtlingsunterkunft eröffnet. Ich verstehe die Frustration. Sie resultiert daher, dass die Leute glauben, die Schließung hätte was mit den Flüchtlingen zu tun. Solche Ereignisse sind der Beginn populistischer Bewegungen.

         Wir müssen den wirtschaftlichen Reichtum gerechter verteilen.                  Wir müssen den wirtschaftlichen Reichtum gerechter verteilen.                  Wir müssen den wirtschaftlichen Reichtum gerechter verteilen.                  Wir müssen den wirtschaftlichen Reichtum gerechter verteilen.         

Wie kann man das ändern?

Wir müssen den wirtschaftlichen Reichtum gerechter verteilen. Und das bedeutet, dass wir Sozial- und Wirtschaftspolitik stärker miteinander verbinden müssen.

Wird die Idee eines geeinten, friedlichen Europas überleben?

Europa ist in Gefahr, definitiv. Und die meisten Mitglieder des Europäischen Parlaments sind ebenfalls ziemlich besorgt. Gegen Ungarn und Polen hat die EU-Kommission Verfahren eingeleitet, weil die Länder gegen rechtsstaatliche Werte wie Meinungsfreiheit verstoßen oder willkürlich in die Justiz eingreifen. Ich habe durchaus pessimistische Tage, aber ich möchte nicht so weit gehen zu sagen, dass Europa scheitern wird. Im Allgemeinen glaube ich, dass die Menschenrechte und die demokratischen Werte am Ende erfolgreich sein werden.

Warum war es für Sie wichtig, ins EU-Parlament zu gehen?

Wenn wir wirklich etwas bewegen wollen, müssen wir das auf europäischer Ebene tun. Beim Klimawandel zum Beispiel ist es hilfreich, wenn Dänemark, Deutschland oder Österreich Maßnahmen ergreifen. Aber das allein reicht nicht.

Sie haben für Ihr fünfjähriges Mandat Ihr Wirtschaftsstudium unterbrochen. Keine Angst, Zeit zu verlieren?

Nein. Ich hätte es sicher bereut, wenn ich die Chance nicht ergriffen hätte. Aber als Abgeordnete ist es nicht möglich, Vollzeit zu studieren. Da müsste ich schon ein Mathe-Genie sein. Das bin ich aber nicht.

Interview:Anette Frisch

Kira Marie Peter‑Hansen

wurde 1998 in Frederiksberg/Dänemark geboren und ist Mitglied der rot-grünen Socialistisk Folkeparti (SF). Im EU-Parlament gehört sie dem Ausschuss für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten an; sie ist außerdem stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Währung. Die heute 22-Jährige pendelt zwischen Kopenhagen, Brüssel und Straßburg, was ihr regelmäßig jede Menge Flugscham beschert.

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